• Ludger Freese

Liebe Bundesregierung: "Lasst uns nicht ausbluten!"

„Schnell und unbürokratisch …!“ – so sollten die Novemberhilfen für Gastronomiebetreibe laufen. Doch bis heute hat kein einziger Betreib auch nur einen Cent gesehen! Auch eine kleine Abschlagszahlung ist bei uns nicht eingegangen (Stand 06.Dez.21) Schuld daran ist die Software. (Quelle: Tagesschau, 04.12.2020)


Foto: Ludger Freese vor dem Reichstagsgebäude


Meinen Samstagvormittag habe ich damit verbracht, Pinkel- und Mettwürste herzustellen. Dabei hört man Radio und natürlich auch die Nachrichten. Als ich die Meldung hörte, dass die Auszahlung der „Novemberhilfen“ frühestens am 10. Januar 2021 erfolgen wird, blieb mir fast das Herz stehen! Ich war extrem geschockt und fühlte mich einfach von der Regierung im Stich gelassen. Ein dicker Kloß saß im Hals. Angst, Sorgen, Nöte beherrschten urplötzlich meine Gedanken. Es zog mich richtig runter – kein sehr angenehmes Gefühl.


Warum konnten im Frühjahr ganz einfach die Anträge gestellt und ausgezahlt werden? Warum kann man den antragsstellenden Betrieben keine Nachricht schicken, dass der Antrag eingegangen ist, dass er bearbeitet wird und dass es zu Verzögerungen kommen kann? Leider erfährt man es nur über die täglichen Nachrichten. Das erfährt man über die täglichen Nachrichten. Ich bin wirklich ein optimistischer Mensch, aber nach Wochen der Vorbereitung einfach zu behaupten, die Software geht noch nicht, ist einfach ein Schlag ins Gesicht der Unternehmen. Ich könnte auch bei meiner nächsten Überweisung ans Finanzamt sagen: „Sorry, geht leider nicht, mein Computer ist defekt!“

Vielleicht merkst du, wie aufgebracht ich gerade bin. Mag sein, dass es uns in Deutschland immer noch besser geht, als anderen Ländern aber wir leben hier und leben nach diesen Regeln. Möglicherweise war die schnelle Zusage, 75% des Vorjahresumsatzes zu zahlen, ein überschnelles Versprechen…wer weiß das schon. Wir haben uns an alle Regeln gehalten. Als Dank wird uns der Boden weggezogen, Versprechen nicht gehalten und eine Selektierung der Betriebe seitens der Bundesregierung vorgenommen. Das Computerprogramm zur Bearbeitung der Anträge soll dem Bund und den Ländern am 20. Dezember zur Verfügung stehen! (Ha, ich lach mich gerade schlapp: Vorweihnachtszeit - Probleme bei der Installation -Weihnachten – freie Zeit bis zum 04.Jan.21…das dauert noch!) Bis dahin sind vermutlich einige Betreibe für immer geschlossen.


Foto: Symbolcharakter der EDV zur Antragsstellung


Wie sagt der Bundesfinanzminister Olaf Scholz: „Die Corona-Pandemie hat uns weiter fest im Griff. Die Einschränkungen belasten uns, es ist ein Kraftakt für alle. Es gilt daher weiterhin: Wir stehen fest an der Seite derer, die die wirtschaftliche Last tragen, wir halten entschlossen gegen die Krise. Die Überbrückungshilfe wird nochmal deutlich verbessert, außerdem gibt es eine unbürokratische Dezemberhilfe. Das kostet viel Geld, aber die Alternative einer Welle von Unternehmenspleiten und Entlassungen wäre noch viel teurer für uns alle. Gemeinsam meistern wird das, gemeinsam sind wir für alles gerüstet.!“ (Quelle. Bundesregierung.de)


Sorry, liebe Politiker/innen, ich schenke euch nur noch wenig Vertrauen! Wenn ich mit meinen Gästen auch so intransparent kommunizieren würde, würden sie mich aus dem Dorf treiben (zu Recht). Es ist einfach die Existenzangst. Es sind die Sorgen gegenüber meiner Familie, Lieferanten und auch Kunden und besonders gegenüber meinen Mitarbeiter/innen. Wir haben uns lange gegen Kündigungen gewehrt, aber ob wir das halten können, kann ich leider nicht garantieren.

Ich bin mir auch sicher, dass kein Politiker in Berlin meinen Blogbeitrag lesen wird oder sogar anrufen wird, aber etwas mehr Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, Transparenz und Wertschätzung gegenüber der Betrieben, die IHR geschlossen habt, würde Euch guttun (Stichwort Wahlen 2021).


Ich weiß, dass es eine unruhige Zeit ist und dass es um unsere Gesundheit geht. Das ist richtig und wichtig. Ich weiß auch, dass man 120.000 Anträge (Quelle Tagesschau) nicht in 8 Tagen abarbeiten kann. Aber bitte sagt die Wahrheit – auch wenn sie unbequem ist. Wir kämpfen Tag und Nacht mit tollen Ideen um jeden Kunden der sein Menü bei uns abholen kommt (Wohnmobildinner – Grillaktionen – besondere Abhol-Gerichte – digitale Bestellung – Kurse für 2021 – Gutscheinsystem – online Kochkurse – Kommunikation mit Gästen – Aktionen mit befreundeten Unternehmen – usw.) Das machen wir mit viel Liebe und Hingabe, damit wir unseren Lebensmut nicht verlieren. Aber diese Hingabe verdient eine ehrliche Unterstützung und keine Auszahlung nach 2,5 Monaten.


Helft uns, lieber Herr Bundesfinanzminister Olaf Scholz und lieber Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.