Sind die Preise für Bratwurst & Co angemessen?


Der Stoppelmarkt in Vechta ist eines der größten Volksfeste im norddeutschen Raum. Die letzten zwei Jahre ist der Markt Corona zum Opfer gefallen und musste abgesagt werden. Logisch, dass nun die Euphorie riesig ist und die Besucher von nah und fern zahlreich zum 6-tägigen Markt kommen.


Die Diskussionen in den Medien, als Social Media und auch mit meinen Kunden im Restaurant zeigte mir, dass die Teuerung in diesem Jahr erheblich sein wird. Der Bierpreis ist dabei eine Art Gradmesser. Das 0,2l Glas Bier kostet auf dem Markt zwischen 2,00€ und 2,50€ oder das 0,3l Glas 3,00€. Das erhitzt die Gemüter kräftig, aber es wird kaum weniger getrunken – dachte ich. Ähnlich stark wird der Preis für eine Bratwurst oder eine Portion Pommes diskutiert. Die Preise, die man mir erzählte, waren schon sehr sportlicher Natur von einigen Imbissbetreibern. Um mir ein genaues Bild zu machen, bin ich am Sonntag zur Frühschoppenzeit zum Stoppelmarkt gefahren, um mir die Verkaufspreise der Essensstände genauer anzusehen. Aufgefallen ist mir sofort, dass die Verkaufspreise deutlich über dem in unserem Restaurant liegen.



Ich habe zehn verschiedene Stände besucht und mir die Preise notiert. Bei der klassischen Bratwurst ist man sich einig: 3,50€ wurde von an den meisten Ständen verlangt (das ist ein Kilopreis von 35,00€). Ein Stand bei Riesenrad verlangte 4,00€ für die Wurst. Die Currywurst wird auf dem Markt für 4,00€ und 4,50€ angeboten. Auch hier ist der Preisanstieg deutlich erkennbar. Er liegt sicherlich an den gestiegenen Lohnkosten und der Energie (Gas und Strom). Die Verpackung ist zwar nur minimal je Portion zu sehen, jedoch auf die Menge ist der Anstieg sicherlich bei jedem Verkäufer spürbar.


Meine Recherche wurde aber von der Aussage befeuert, dass eine Portion Pommes 5,50€ kosten soll. Eine Kundin teilte mir das mit. Also lag mein Augenmerk besonders auf die Preise bei dem Kartoffelprodukt. An vier Ständen lag der Preis bei 3,50€. Andere Imbissbetreibe verlangten 4,00€ oder 5,00€ für die größere Portion. Günstig war mein Kollege Ludger Fischer mit 2,50€ je Schale mit Pommes. Einen Pommes-Preis mit 5,50€ habe ich nicht entdeckt. Vielleicht erreicht man den Preis, wenn Mayonnaise und Ketchup dazu kommen.



Der Vollständigkeit möchte ich die Preise andere Produkte hinzufügen. Krakauer: 4,00€ bis 6,00€, Schaschlik: 4,50€ bis 5,00€, Frikadelle: 3,50€ Hamburger: 5,50€ bis 6,00€.


Ich habe aber durchaus Verständnis dafür, dass die Betreiber die Preise anheben müssen, um nach der langen Durststrecke und des teilweisen Berufsverbotes (Pandemie) wieder einen finanziellen festen Boden haben müssen. Des Weiteren bedeutet die Verkaufspreisfindung reine Marktwirtschaft und richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Dass die Nachfrage - trotzt der hohen Besucherzahlen bis tief in die Nacht hinein (es gibt keine Sperrstunde) - gelitten hat, haben mir zwei Inhaber unabhängig voneinander mitgeteilt. Zwischen 30% und 40% bezifferten sie mit den Rückgang gegenüber dem letzten Markt vor der Pandemie. Aber auch die anhaltende Hitze von über 30°C an den Markttagen wird für die Kaufzurückhaltung in Betracht gezogen.


Ich bin froh darüber, mir eine eigene Meinung vom Preisgefüge auf dem Stoppelmarkt gemacht zu haben. So kann ich deutlich besser gegenüber einer Halbwahrheit argumentieren und meine Sympathien zu den Knochenjob auf dem Markt sind gestiegen.