• Ludger Freese

Die Mutmacherin


Foto: Jutta Hasenkamp


Die Corona-Regeln zum Teil-Lockdown bestehen seit einigen Wochen. Für uns heißt das: fast keine Aufträge im Partyservice. Die Aufträge waren durch die vorherigen Regeln im Oktober schon sehr mager. Der Dezember ist eigentlich der Umsatzstärkste Monat des Jahres. Aber auch hier sind Aufträge, Anfragen oder Bestellungen sehr dünn vorhanden. Eigentlich ist bei uns schon jetzt die Zeit, wo wir Aufträge wegen Überbuchung absagen müssen. Vor allem zu Silvester ist die Kapazität sehr schnell aufgebraucht, und wir sind über Monate vorher ausgebucht. Das ist der Regelfall.


Doch in diesem Jahr ist es leider völlig anders. Der Lockdown trifft uns ungemein hart – wie so vielen meiner Kollegen auch. Wir halten den Restaurantbetrieb aufrecht und bieten die Speisen zur Abholung an. Das mildert etwas die Verluste, aber auf keinen Fall wird hier ansatzweise alles aufgefangen. Mit besonderen Aktionen und sehr viel Social Media Arbeit halten wir die Kunden bei kulinarischer Laune. „Der Verzicht in der Corona-Zeit bedeutet nicht der Verzicht auf genussvolles Essen!“, so meine Lieblingssatz zu der ganzen Misere.


Die zugesagten „Novemberhilfen“ sind bis dato ein riesiger Witz (Stand 22.Nov.20). Es wurde von der Politik groß angekündigt und versprochen, dass 75% des Vorjahresumsatzes als Hilfe ausgezahlt werden soll. So will man Betriebe unterstützen, die wegen der behördlichen Teilschließung Hilfen benötigen. Leider besteht bis heute nicht einmal die Gelegenheit irgendwo einen Antrag auf Hilfe zu stellen! Kein Steuerberater (die müssen den Antrag stellen) kann helfen. Anträge sollen voraussichtlich ab dem 25.Nov.20 gestellt werden können – so meine Informationen. Auf meiner Sorgenstirn stehen aber Begriffe wie: Steuern (die natürlich vom Staat/Finanzamt angemahnt werden!), Krankenkassen, Strom, Miete…und ganz besonders groß: die Löhne. Die Hausbank hilft auch nicht - sie melden sich nicht einmal zurück!


So habe ich mir an einem Feierabend den „Mut“ genommen und meine Bundestagsabgeordnete Silvia Breher angeschrieben. „Was macht ihr mit uns?" Wir erfüllen alle geforderten Hygienemaßnahmen, halten Gäste an, ihre Kontaktdaten zu hinterlassen, lassen Tische wegen der Abstände frei, schulen unser Personal, kommunizieren und erklären es tausendfach unseren Kunden und gehen ohne Murren auf die Aufforderungen der Behörden ein (obwohl wir uns alle Informationen selber suchen müssen! Keine Behörde gibt den Betrieben eine Nachricht!). Wir schließen unser Restaurant sofort und der Staat wartet fast vier Wochen bis sie überhaupt in der Lage ist, Gelder auszuzahlen! Unglaublich. Der Staat nutzt uns quasi als Geldgeber – wir legen das Geld vier Wochen für den Staat aus!“


„Was macht ihr mit uns? Ich liebe meinen Beruf, meine Aufgaben, meine Verpflichtungen, aber bitte zieht uns nicht den Boden weg!“ Dieser Text – und etwas mehr - war mein Apel an Silvia Breher. Umso überraschter war ich, dass die stellvertr. Vorsitzende der CDU Deutschland nur wenige Minuten nach meinem Schreiben eine persönliche Antwort schickte. Der Dialog ging noch etwas weiter. Einige Tage noch unserer Unterhaltung wurde ich von einem Mitarbeiter des Büro Breher angerufen. Wir haben sehr lange telefoniert und es gab viele gute Tipps, Hilfsangebote und Anregungen. Ich habe deshalb zwar kein Geld bekommen oder kann einen Antrag stellen, aber die Gewissheit, dass man sich in Berlin kümmert war für mich sehr beruhigend. Silvia Breher ist eine Frau, die etwas bewegen und verändern will, sondern sie handelt für uns Menschen. Dafür bin ich unendlich dankbar!


Ich hoffe nun, dass bald die zugesagten Gelder kommen. Das wird sicherlich noch einige Tage und Wochen dauern, weil auch Kollegenbetriebe dasselbe Anliegen haben. Einen geregelten Betriebsablauf mit allen Mitarbeitern, Umsätze und Freude an der Arbeit, wird es in diesem Jahr sicherlich nicht mehr geben. Es beruhigt aber ein wenig, wenn man von unseren Volksvertretern wahrgenommen wird. Letztendlich müssen wir uns selber retten – dazu fahren wir ja auch ganz besondere Aktionen. Das wird von Gästen sehr gut getragen und begleitet. Auch das beruhigt. Lasst uns aus den Kontaktbeschränkungen ein neues Miteinander finden – der Kontaktstärkung.